Chengdu International Railway Port – größter Container-Umschlagsplatz Asiens

Landport fördert Wirtschaftsentwicklung / Neue Importstrukturen für Europa

Über 5000 eurasische Zugverbindungen gab es 2025 durch den China–Europa-Eisenbahn-Express Chengdu–Chongqing. Zum fünften Mal in Folge war diese Verbindung die am meisten fragmentierte China–Europa-Eisenbahnverbindung, meldet das Transportkoordinierungskomitee des China–Europa-Eisenbahn-Express.

Dieser Erfolg vollzog sich in wenigen Jahren. 2013 fuhr der erste Chengdu-Europe-Expresszug von Chengdu nach Lodz in Polen. Seitdem wurde der internationale Logistikkorridor Chengdu-Eurasien kontinuierlich ausgebaut. Mehr als 100 Städte innerhalb und außerhalb Chinas werden von Chengdu aus angefahren. Lodz in Polen ist der Kern-Hub ab Chengdu für Europa. Danzig, Duisburg, Hamburg, Nürnberg, München, Tilburg, Rotterdam, Lüttich, Zeebrugge, Lyon, Paris, Budapest, Wien, Prag und Bratislava – die Liste der regelmäßigen Verkehre und Zielorte ist lang und wird länger.

Landport Chengdu

Doch es geht um weit mehr als nur schnell, sicher und günstig Container, Autos oder auch Lebensmittel durch Eurasien zu transportieren. Die Eisenbahnverbindung ist Teil eines integrierten Logistiknetzes, des Land Port Chengdu. Ein multimodales Straßen- und Seetransportnetz, dessen Hauptverkehrsader die Schiene ist, verbindet Europa, Südostasien, Amerika und geht bis Afrika. Ergänzt wird dies durch wichtige Luftfrachtrouten.

Von der Stadt hinter den Bergen zum Verkehrsknoten der Welt

Die Stadt, die mit Umland 21 Millionen Einwohner zählt und tief im westlichen Landesinneren Chinas liegt ,ist durch eine leistungsfähige Verkehrs-Infrastruktur aus ihrer Abgeschiedenheit abgerückt und blüht auf. Noch vor wenigen Jahrzehnten war die Region Sichuan um Chengdu aufgrund ihres zerklüfteten Gebirges schwer zugänglich. Der bekannte Dichter Li Bai aus der Tang-Dynastie schrieb einst, die Reise nach Shu sei „schwieriger als der Aufstieg zum Himmel“. Der italienische Entdecker Marco Polo beschrieb in seinem Reisebericht eine etwa 20-tägige Reise über gewundene Straßen durch Berge, Schluchten und dichte Wälder.

Jetzt ist die Lage der Stadt durch die neuen Schnellverbindungen eher von Vorteil. Chengdu ist dabei auch ein Logistikknoten für den Umschlag zwischen Europa und Südostasien. Laut comunicaffe können Waren aus Chengdu Lodz in etwa 12 Tagen mit dem China-Europe-Expresszug erreichen; Nürnberg und Tilburg in etwa 14 Tagen. Für Südostasien betragen die Transitzeiten nach Laos etwa 3 Tage und nach Thailand etwa 5 Tage über die Schienengüterverkehrsroute China-Laos-Thailand- Malaysia . Eine multimodale Straßen- und Seetransportroute ermöglicht es zudem, Waren in etwa 10 Tagen durch die ASEAN-Staaten zu transportieren.

In Chengdu und China hergestellte Waren, darunter Produkte aus den Bereichen neue Energien und Landwirtschaft, werden nach Europa exportiert. Umgekehrt werden hochwertige Agrarprodukte oder Luxusgüter aus Frankreich, Industriegüter aus Deutschland und viele andere Produkte über Chengdu ins Landesinnere Chinas und weiter nach Hongkong, Macau, Taiwan, Japan, Südkorea und Südostasien geliefert.

Chengdu International Railway Port

Der internationale Eisenbahnhafen Chengdu im Bezirk Qingbaijiang erstreckt sich über eine Fläche von 33,6 Quadratkilometern und ist somit Asiens größter Güterbahnhof und Container-Umschlagplatz. Qingbaijiang ist Freihandelszone. Dort wird mit dem System des „Einheitsfrachtbriefs“ für multimodale Transporte gearbeitet und damit die Gebührenfreiheit für grundlegende Logistikoperationen umgesetzt.

Das Zolllager, ein spezieller Fleischhafen der die Kühlketten sichert, der Autohafen, das nationale Zollüberwachungszentrum für multimodalen Transport und das internationale Express-Abfertigungszentrum erleichtern die grenzüberschreitenden Transporte . Die Sichuan Port Investment Group hat in den Bau einer Kühlkettenlogistikbasis im internationalen Eisenbahnhafen Chengdu investiert, die einen wichtigen Bestandteil des grenzüberschreitenden Kühlkettenlogistiksystems bildet.

Der internationale Eisenbahnhafen Chengdu ist ein Pilotprojekt und Kerngebiet des Industrieparks der „Neuen Seidenstraße“. Im Fokus steht die Entwicklung dreier führender Branchen: internationaler Handel, moderne Logistik und zollfreie Abwicklung.

Um das reine Gütergeschäft sind viele Bereiche angesiedelt, welche ein integriertes Handelssystem bilden. Die Branche konzentriert sich auf die Entwicklung von zehn Teilbereichen:

– internationaler Handel,
– urbane kollaborative Distribution,
– Supply-Chain-Management,
– neuer Einzelhandel,
– grenzüberschreitender E-Commerce,
– Massengüterhandel,
– Parallelimporte von Fahrzeugen,
– Automatisierung von Logistikausrüstung,
– Computerperipheriegeräte und
– Smart-Home-Geräte.

Sie hat fast hundert größere Projekte zur Industrialisierung der Logistik und des internationalen Handels angezogen, darunter Projekte der China Merchants Group, Sinotrans & CSC Holdings, COSCO Shipping, Hema Fresh, Cainiao Network und der Xinhua Group, mit einem Gesamtinvestitionsvolumen von 50 Milliarden Yuan (100 Yuan = etwa 13 Euro).

Freihandelszone Qingbaijiang

Unterstützt werden diese Geschäfte durch die Vorteile einer Freihandelszone. Im April 2017 wurde das Qingbaijiang-Gebiet der Freihandelszone Sichuan offiziell gegründet. Das Gebiet liegt innerhalb des internationalen Eisenbahnhafens Chengdu und umfasst eine Fläche von 9,68 Quadratkilometern. Als einzige Freihandelszone Chinas, die auf einem Eisenbahnhafen basiert, wurden zahlreiche Reformmaßnahmen umgesetzt. Dazu gehören das Konsolidierungs- und Transportmodell, das Überwachungsmodell für den parallelen Import von Pkw im intermodalen See-Schiene-Verkehr sowie die Gründung der Hafeninvestitionsgruppe zur Innovation des Kooperationsmechanismus zwischen Straße und Land.

Vereinfachte Abwicklung

Der internationale Eisenbahnhafen Chengdu war landesweit Vorreiter bei der Einführung der Reform des „einheitlichen Konnossements“ für den multimodalen Verkehr. Konnossement (englisch Bill of Lading, B/L) ist ein zentrales Warenbegleit- und Wertpapier im See- und Binnenschiffstransport, das den Empfang der Güter bestätigt und deren Auslieferung an den berechtigten Inhaber verspricht. Bis zum 23. Dezember 2025 wurden dort mehr als 16.000 Konnossemente ausgestellt, die vollständig elektronisch abgewickelt wurden. Es wurden innovative Transport- und Überwachungsmodelle entwickelt, wie beispielsweise die „Konsolidierung und der Transport von Güterzügen zwischen China und Europa“, die „Konsolidierung und der Transport von Breitspurstrecken“ sowie die „segmentierte Abrechnung und Bewertung von Frachtgebühren“. Viele dieser Neuerungen wurden von nationalen Ministerien oder anderen Provinzregierungen übernommen und gefördert.

Dabei wird auch landesweit mit anderen Standorten kooperiert. Der internationale Eisenbahnhafen Chengdu hat einen zweistufigen Kooperationsmechanismus zwischen Regierung und Unternehmen eingerichtet und arbeitet intensiv mit vielen Städten und Häfen im In- und Ausland zusammen, um Zugressourcen und Subventionspolitiken zu teilen, mit dem Ziel, die Auslastung zu erhöhen und die Betriebskosten zu senken.

Industrielle Entwicklung

Nicht nur Handelsdienstleistungen, sondern alle Wirtschaftszweige sollen dem Landhafen Schwung verleihen. Umgekehrt soll der Landhafen die Wirtschaftsentwicklung der gesamten Region fördern. Der Fokus liegt dabei auf fünf Industriezweigen: „Moderne Logistik, Neue Werkstoffe, Fortschrittliche Energie, Anlagenbau und Luft- und Raumfahrt.

Nach dem Konzept von „führenden Unternehmen + Industrieclustern“ konzentriert sich der internationale Eisenbahnhafen Chengdu auf drei führende Branchen: internationale Lieferkette, internationaler Handel und hafennahe intelligente Fertigung. Ziel ist es im Kontext der Seidenstraßen-Initiative einen zentralen Funktionsbereich für die internationale Lieferkettenwirtschaft aufzubauen.

Der Landhafen Chengdu hat über 200 große Industrieprojekte angezogen und die Bildung von vier Industrieclustern mit einem Volumen von jeweils Billionen Yuan in der Region Chengdu-Chongqing gefördert: Elektronik und Informationstechnologie, Automobilbau, Maschinenbau und neue Werkstoffe. 70 Prozent der in Sichuan hergestellten Elektronikprodukte werden über diese Strecke exportiert.

Um ein „Bahn + Industrie“-Produktsystem aufzubauen, wurde eine integrierte Demonstrationsbasis für Transport, Handel und Produktion rund um Schlüsselkategorien wie Rapsöl, Aluminiumbarren und die tropische Frucht Durian geschaffen. Es wurde ein Vertriebszentrum für Durian eingerichtet. Gleichzeitig wurden in der Provinz erstmalig Geschäftsmodelle wie das GSP-Projekt für die pharmazeutische Kühlkette, das Projekt für zollgebundene Kultur- und Kunstprodukte und das Projekt „Grenzüberschreitender E-Commerce + Logistik“ eingeführt, um die Transformation der Bahn von einem Logistikkanal zu einer industriellen Ökosystemplattform zu fördern.

Das Beispiel der südostasiatischen Früchte zeigt, wie schnell sich mit diesem Konzept Märkte erschließen lassen. Noch vor wenigen Jahren waren diese in Chinas Handel kaum zu finden. Heute werden sie überall angeboten. Zum 31. März 2026 überstieg das Importvolumen südostasiatischer Früchte am internationalen Eisenbahnhafen Chengdu 100 Millionen Yuan.

Importe vom Konsumgütern + 55 Prozent

Chinas gewaltiger Handelsüberschuss kann nicht von Dauer sein. Daher werden über die Landports umfassende Absatzkanäle für Importgüter aufgebaut. Daten zeigen, dass Chengdus Gesamtimporte im ersten Halbjahr 2026 bereits 206,61 Milliarden Yuan erreichten, ein Anstieg von 17 Prozent. Die Importe von Konsumgütern beliefen sich auf 11,26 Milliarden Yuan, ein Plus von 55,3 Prozent. Dies stärkt die Position der Region als Vertriebszentrum für importierte Spezialwaren.

Auch für Waren aus Europa ist dies ein neuer und schneller Weg in den chinesischen Markt. Ein Güterzug, beladen mit hochwertigen französischen Kosmetikprodukten, ist im Juli von Dourges in Frankreich nach Chengdu, abgefahren und markiert damit einen neuen Meilenstein im spezialisierten Handelskanal Chengdus mit Frankreich. Der Zug transportierte hochwertige Schönheitsprodukte wie Seren, Make-up und Parfums. Die Lieferung soll Chinas steigende Nachfrage nach importierter Qualitätskosmetik decken.

Um einen ausgewogenen und qualitativ hochwertigen bilateralen Handel zu fördern, hat China laut dem internationalen Eisenbahnhafen Chengdu eine Reihe von politischen Maßnahmen eingeführt, um die Einfuhr französischer Kosmetika, Weine und anderer hochwertiger Waren zu erleichtern. Zu diesen Maßnahmen gehören eine vereinfachte Zollabfertigung, ein stärkerer Schutz des geistigen Eigentums und die gegenseitige Anerkennung geografischer Angaben. Das Unternehmen plant, die Zugfrequenz zu erhöhen und mehr spezialisierte Güterzüge für verschiedene Güterkategorien einzusetzen.

Links

VIDEO: From Qingbaijiang to the world, friendship’s on the way

Internationaler Eisenbahnhafen Chengdu

Wirtschaftsentwicklungszone des internationalen Eisenbahnhafens Chengdu

Chengdu International Railway Port Investment Development (Group) Co., Ltd.

Chengdu International Railway Trains Co., Ltd.

Chengdu Landport New Channel International Trade Co., Ltd.

Sichuan konzentriert seine Bemühungen auf die Senkung der Logistikkosten und die Steigerung der Effizienz. Gezielte Maßnahmen werden in vier Anwendungsszenarien umgesetzt

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ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
Foto: Marco-Polo-Brücke Chengdu © Georg Hassa

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