Das größte Autohaus der Welt, so die Automobilwoche über die 29. Chengdu International Motor Show, die am 21. August eröffnet wurde. Auf der diesjährigen Messe sind fast 120 Automobilmarken aus dem In- und Ausland vertreten, die rund 1.600 Fahrzeuge präsentieren. Etwa hundert Modelle feiern ihre Welt- oder China-Premiere. Im Mittelpunkt stehen aktuelle technologische Fortschritte wie die „drei elektrischen Komponenten“ für neue Energien: die Hochspannungs-Schnellladetechnik, das autonome Fahren der nächsten Generation und die intelligenten Cockpits.
Chinesische Marken dominierten weiterhin die Hallen und das Außengelände, wobei mehrere mit Spannung erwartete Serienmodelle zu den Hauptattraktionen avancierten und sich damit im heiß umkämpften Automobilmarkt positionierten. VW bekam mit seinen Jetta „Made in Chengdu“ besondere Aufmerksamkeit.
Abwesenheit, leere Ausstellungsflächen bei gleichzeitigen riesigen Präsentationen
Doch der Umbruch der Branche ist auf der Messe deutlich zu erkennen. Laut dem offiziellen Standplan fehlen bei dieser Automobilausstellung Chengdu mehr als 20 Marken. Im Segment der Superluxusmarken sind Bentley, Porsche, Rolls-Royce, Lamborghini, Maserati, Aston Martin, Lotus und andere abwesend.
Dongfeng Nissan fehlt zum ersten Mal seit vielen Jahren, Dongfeng Honda, Chevrolet und Yueda Kia sind ebenfalls nicht zu sehen. Zweitreihen-Luxusmarken wie Lexus, Genesis und Infiniti sowie Marken wie Tesla, Jishi und Skyworth tauchen ebenfalls nicht in der Teilnehmerliste auf.
Die Branche hat mit Absatzproblemen zu kämpfen und steht vor einem gewaltigen Umbruch. Nach Daten der China Association of Automobile Manufacturers sind von Januar bis Juli 2026 Produktion und Absatz von chinesischen Automobilen im Jahresvergleich jeweils um 3,7 Prozent gesunken, und dies ist bereits unter Einbeziehung des sprunghaft gestiegenen Exports. Zählt man nur den inländischen Einzelhandelsabsatz von Personenkraftwagen, so sieht man, dass der monatliche Jahresvergleichsrückgang mehr als 20 Prozent übersteigt.
Da das Marktvolumen sinkt, kürzen viele Automobilunternehmen ihre Marketingbudgets. Die Standgebühr für eine A-Klasse-Automobilausstellung beträgt mehrere Millionen Yuan (100 Yuan ist ca. 13 Euro). Zusammen mit Aufbau, Reisen und Kommunikation belaufen sich die Kosten pro Veranstaltung oft auf über 10 Millionen Yuan. Andere Marketinginstrumente, wie Online-Live-Übertragungen werden daher zunehmend als effektiver angesehen.
Ein knallharter Wettbewerb sorgt für Marktbereinigung, sinkende Preise und Innovationen. Wer dem nicht Schritt hält, der kommt unter die Räder. Eher still und leise sind bereits 35 chinesische Elektroautobauer vom Markt verschwunden. Die verbleibenden müssen um einen kleineren Markt kämpfen. Nur wenige können weiter expandieren, sich über weiter steigenden Absatzzahlen freuen. Dies ist deutlich auf der Automesse in Chengdu zu sehen.
Vor allem zwei Konzerne glänzen. BYD belegt eine ganze Halle und greift mit der gesamten Produktlinie an. Geely verteilt die Präsentation seiner vielen Marken mit großen Ständen über das gesamte Messegelände. Beide Konzerne sind Marktführer in Chengdu. Im ersten Halbjahr hat Geely Automobile mit 21.800 Fahrzeugen den ersten Platz im Absatz von Automobilherstellern auf dem Chengdu-Markt erreicht, und BYD folgte mit 21.400 Fahrzeugen. Die Chery Group präsentiert sich mit fünf Marken und insgesamt 38 Modellen in Halle 5. Great Wall Motors und Harmony Intelligent Mobility belegen ebenfalls große Ausstellungsflächen.
Der Rückgang auf der einen und der Fortschritt auf der anderen Seite spiegeln die Verschiebung der Marktanteile wider. Daten der China Association of Automobile Manufacturers und des Passenger Car Association zeigen, dass die Durchdringungsrate von Neufahrzeugen mit neuer Energie im Juli dieses Jahres auf 65,1 Prozent gestiegen ist, der Marktanteil von eigenständigen chinesischen Pkw-Marken über 77 Prozent liegt und der Gesamtanteil von Joint-Venture- und ausländischen Marken weniger als ein Viertel beträgt.
Einzugsgebiet von über 100 Millionen Menschen
Doch nicht nur für Chengdu, eine Metropole mit immerhin etwa 21 Millionen Einwohnern, ist die Messe das Branchenhighlight. Von der 32 Millionen Stadt Chongqing ist der Besuch der Chengdu-Messe gut als ein Tagesausflug zu machen. Die Fahrzeit mit dem Zug dauert eine Stunde und 6 Minuten; es gibt täglich 150 Verbindungen. Insgesamt dürfte das Einzugsgebiet der Messe mehr als hundert Millionen Menschen als Tagesbesucher erreichen. Chengdu ist ein wichtiger Knotenpunkt für den Automobillabsatz in Südwestchina und strahlt in den weitläufigen südwestchinesischen Markt aus, der Sichuan, Chongqing, Yunnan und Guizhou umfasst.
Sicherheit und Qualität ersetzt „Schnellschuss-Automobilproduktion“
Es geht auf der Messe nicht mehr hauptsächlich um ein Turbo der Neuerungen, um den legendären „China-Speed“, mit dem in kurzer Entwicklungszeit immer mehr Modelle neu auf den Markt kommen. Ein großes Thema auf der Messe sind Qualität und Sicherheit. Es wird bemängelt, dass einige Hersteller ihre Fahrzeuge schnell und unausgereift auf den Markt bringen. Die Geschäftsmodelle müssen Nachhaltiger werden, um Erfolg zu haben.
Zu Messebeginn wurde bekannt, dass die chinesische Marktaufsichtsbehörde SAMR (State Administration for Market Regulation) den größten Rückruf von Fahrzeugen in der Geschichte Chinas anordnete. Etwa 4,4 Millionen Fahrzeuge, unter anderem von Xiaomi, Leapmotor, Xpeng, Zeekr, Chery, Dongfeng, Arcfox und FAW, müssen in die Werkstätten. Darunter sind alleine drei Millionen Tesla der Model 3, Model Y, Model S und Model X. Tödliche Unfälle durch unauffindbare Nothebel sind der Anlass für die Rückrufe.
Vertreter von nicht betroffenen Automarken griffen das Thema auf der Messe auf und warnten davor, Fahrzeuge die noch nicht ausgereift seien, zu schnell auf den Markt zu bringen. Der Kunde dürfe nicht Versuchskaninchen für unausgereifte Fahrzeuge werden.
VW-Jetta exportiert von Chengdu nach Zentralasien
Die Messe zeigt auch: Chengdu und die Provinz Sichuan mit fast 84 Millionen Einwohnern ist nicht nur ein großer Absatzmarkt, sondern entwickelt sich zu einem bedeutenden Produktionsstandort. Die chinesischen Provinzen stehen bei dem Aufbau ihrer Autoproduktion in einem harten Wettbewerb und setzen ihre Industrie-Politik dabei in unterschiedlichen Formen um. Durch schnelle und kurze Logistikverbindungen und seine Lage in Zentralchina ist die Provinz Sichuan auch ein bevorzugter Produktionsstandort für Exporte nach Zentralasien.
Am 21. August gab Yang Xian, stellvertretender Generaldirektor von FAW-Volkswagen Jetta, auf der Automobilausstellung in Chengdu bekannt, dass FAW Volkswagen Jetta Automotive Technology Co., Ltd. so schnell wie möglich auf dem Auslandsmarkt Fuß fassen will. Derzeit werden neue Jetta-Fahrzeuge bereits nach Usbekistan und Kasachstan exportiert.
Ausländische Automobilkonzerne könnten zwar in China selbstständig und ohne Joint-Venture-Partner produzieren. Doch VW Jetta ist gemeinsam von den staatlichen Vermögensunternehmen der Provinz Sichuan, Stadt Chengdu finanziert, was eine tiefe Zusammenarbeit zwischen Joint-Venture-Marken und der lokalen Industriekette darstellt. Durch die finanzielle Beteiligung der Provinz ist das neue FAW-VW-Unternehmen gut in die Branchenstruktur eingebunden und kann somit günstig produzieren. Ein neuer elektrischer Jetta kostet in China umgerechnet etwa 10.000 bis 13.000 Euro (ca. 80.000 bis 102.000 Yuan).
Diese lokale Marke gehört zu den wichtigsten Marken des Automobilexports aus Sichuan. Damit realisierte Chengdu erstmals den integrierten Betrieb von „Forschung, Produktion, Lieferung und Vertrieb“ für ein lokales Automobilunternehmen, meldet die Provinzregierung. Auch dies ist ein Highlight der Chengdu Motor-Show: Sichuan präsentiert stolz sein erstes eigenes vollständig vor Ort entwickelt und produziertes Automodell – den VW Jetta.
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FAW-Volkswagen Jetta Automobile Technology (Sichuan) Co., Ltd.
29. Chengdu International Motor Show eröffnet
Die Kälte und Hitze der Chengdu Auto Show: Abwesende, Vorpreschende und Standhafte
Messe in Chengdu: Das größte Autohaus Chinas
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ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
Foto: © Volkswagen Group China

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