Seit 2008 schmückt der Yu Garden Hamburg, nach dem Vorbild des berühmten Shanghaier Yu Gardens, die Hansestadt. Nach einer umfangreichen Renovierung erstrahlt er wieder in neuer, alter Pracht. Längst hat er sich zu einem gut besuchten Treffpunkt und Ort für viele spannende Veranstaltungen, für exzellente chinesische Küche und für persönliche Begegnungen etabliert. Das vielfach ausgezeichnete Restaurant ist überregional bekannt. Zukünftig wird im Yu Garden noch mehr geboten.
Hamburg bekommt zum 40-jährigen Jubiläum seiner Städtepartnerschaft mit Shanghai eine zusätzliche Institution für den deutsch-chinesischen Kulturaustausch: Im Yu Garden Hamburg wurde am Donnerstag, 3. September 2026, das „China Intangible Cultural Heritage Overseas Experience Center“ eröffnet. Künftig wird dort das chinesische immaterielle Kulturerbe nicht nur präsentiert, sondern für Hamburgerinnen und Hamburger unmittelbar erlebbar gemacht. Im Yu Garden wurden zur Eröffnung des Centers Kunsthandwerk, Tee und bekannte Marken aus Shanghai präsentiert. Auch die Musikkultur und kulinarische Erlebnisse kamen nicht zu kurz.
Bei der Plakettenübergabe kamen hochrangige Vertreter beider Partnerstädte zusammen, unter anderem Lin Dong, Generalkonsul der Volksrepublik China in Hamburg, Hu Junjie, Vizepräsident der Yuyuan Inc., Chen Qiuyi, Präsident der Hamburger China-Gesellschaft e. V., und Corinna Nienstedt, Leiterin des Staatsamtes der Senatskanzlei Hamburg.
Mancher wird sich wohl fragen: Lebendiges immaterielles Kulturerbe – was ist das? In den Reden der Veranstaltung, dem Kulturprogramm und den Produktpräsentationen wurde dies deutlich.
Generalkonsul Lin Dong stellte in seiner Begrüßungsansprache die langen und guten Beziehungen zwischen Hamburg und China heraus, besonders auch die Verbindungen zu Shanghai, das seit vierzig Jahren durch eine Städtepartnerschaft eng mit Hamburg verbunden ist. „Der Dialog zwischen den Völkern ist im Bereich Kultur unverzichtbar. Das Generalkonsulat der VR China Hamburg unterstützt immer die direkte menschliche Begegnung und den Kulturaustausch zwischen China und Hamburg. Es fördert aktiv den Austausch und Kooperationen im Bereich Kultur, Bildung und Wissenschaft, Kunst, Jugendbegegnungen und vielen anderen Bereichen. Es versteht sich als Brücke, die Menschen, Institutionen und Unternehmen beider Länder enger verbindet.
Hamburg und Shanghai können auf eine vierzigjährige Städtepartnerschaft zurückblicken. Vierzig Jahre ist ein Meilenstein, aber auch der Zeitpunkt, um Neues zu beginnen. Möge die Freundschaft zwischen Shanghai und Hamburg immer weiterwachsen und erstarken. Mögen unsere beiden Städte einander offen begegnen, voneinander lernen und gemeinsam neue Kapitel der Freundschaft schreiben. Und möge die heutige Veranstaltung ein großer Erfolg werden, indem sie mehr Menschen in Hamburg die Schönheit des immateriellen Kulturerbes Chinas näherbringt und unsere beiden Völker noch enger miteinander verbindet,“ so Generalkonsul Lin.
Corinna Nienstedt, Leiterin des Staatsamtes der Senatskanzlei Hamburg. begrüßte die Gäste im Namen des Senats, der Regierung der Freien und Hansestadt Hamburg. Es sei ein ganz besonderes Ereignis im Rahmen des 40. Jahrestages der Städtepartnerschaft zwischen Shanghai und Hamburg, dieser Eröffnung beizuwohnen, so Nienstedt. „Im Mittelpunkt dieser heutigen Veranstaltung steht das immaterielle Kulturerbe Chinas – ein wichtiges Thema, gerade für uns Hamburger. Über uns sagte einst der berühmte deutsche Dichter Heinrich Heine: ‚Geld ist der Anfang und das Ende von allem.‘ Das stimmt natürlich. Die Botschaft jedoch, die Heinrich Heine mit diesem Ausspruch ebenfalls vermittelte – nämlich, dass die Hamburger sich nicht für Kultur einsetzen – ist ganz eindeutig falsch.
Heute ist China ein wichtiger Bestandteil unserer Wirtschaft geworden, insbesondere, aber nicht ausschließlich, im Hafenbereich. Doch auch das kulturelle Leben in Hamburg wurde stark von der hiesigen chinesischen Gemeinschaft geprägt, und ich denke, das können wir heute hier sehen. Die chinesische Diaspora hat ihre Kultur, ihre Küche und ihre Lebensweise nach Hamburg gebracht, und dies wird von der Hamburger Bevölkerung sehr geschätzt.
China trat 2004 dem UNESCO-Übereinkommen zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes bei. Dutzende von kulturellen Ausdrucksformen, wie etwa die Peking-Oper und das Neujahrsfest, sind inzwischen in die internationale Liste der UNESCO aufgenommen worden.
Der Senat, die Hamburger Landesregierung, ist sehr stolz und erfreut darüber, dass der Yu Garden heute offiziell als internationales Erlebniszentrum für das immaterielle Kulturerbe Chinas ausgezeichnet wird. Ich gratuliere herzlich und freue mich darauf, hier in diesem wunderschönen Gebäude noch mehr von der chinesischen Kultur, dem traditionellen Kunsthandwerk und der chinesischen Kunst erleben zu dürfen.
Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um hervorzuheben, dass der Yu Garden umfassend renoviert wurde – was, wie ich glaube, für jeden sichtbar ist. Die Arbeiten verliefen sehr gut und reibungslos, und der Hamburger Yu Garden präsentiert sich nun in besserem Zustand denn je. Das passt hervorragend zu der Auszeichnung, die im weiteren Verlauf verliehen wird.
Ich möchte der Stadt Shanghai und Shanghai Yuyuan für die Durchführung dieser Arbeiten danken. Dies ist ein wunderbarer Ausdruck der Freundschaft zwischen unseren beiden Städten und unserer Städtepartnerschaft“, erklärte Nienstedt.
Aus Shanghai war der Vizepräsident der Yuyuan Inc., Hu Junjie, mit seinem Team angereist und stellte die Beweggründe für die Etablierung des Hamburg Yu Garden Chinese Intangible Cultural Heritage Overseas Experience Center vor. „In diesem goldenen September versammeln wir uns im Yu Garden in Hamburg, um das 40-jährige Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Shanghai und Hamburg zu feiern. Seit vierzig Jahren verbindet die beiden Städte eine tiefe Freundschaft. Heute findet im Yu Garden in Hamburg die Veranstaltung ‚Ost trifft West: Koexistenz des immateriellen Kulturerbes‘ statt – ein lebendiger Ausdruck dieser Freundschaft.
Der Hamburger Yu-Garden ist ein wertvolles Geschenk Shanghais an Hamburg. Er bildet den Fuxing-Pavillon, das Teehaus und die Teehausstraße der Neun-Kurven-Brücke aus Shanghais Yu Garden sowie die Jiangnan-Gärten nach. Er ist ein Wahrzeichen östlicher Kultur in Europa.
Nachdem die Infrastruktur nun fertiggestellt ist, haben wir für diese Veranstaltung ein vielfältiges Programm zum immateriellen Kulturerbe vorbereitet. Insbesondere wurde ein sehr authentisches chinesisches Teehaus, das dem Fuxing-Pavillon im Yu Garden in Shanghai nachempfunden ist, in den Fuxing-Pavillon in Hamburg gebracht. Ich werde Ihnen die chinesische Teezeremonie vorstellen, bei der die Teeverkostung die traditionelle chinesische Kunst der Teezeremonie, insbesondere die Shanghaier Kräutermedizin, einbezieht.
Sie sollten es unbedingt ausprobieren – es wird Ihnen ein wohliges und kraftvolles Gefühl vermitteln. Wir glauben, dass Kultur nicht nur Präsentation, sondern auch Dialog bedeutet. Seit vielen Jahren ist der Hamburger Yu Garden ein Kulturraum, der Menschen aus China und Deutschland zusammenbringt. Wir hoffen, dass diese Veranstaltung die Interaktion zwischen Kunsthandwerkern beider Länder und dem Publikum weiter fördert und immaterielles Kulturerbe zu einem greifbaren und gemeinsam erlebbaren Alltagserlebnis macht.
Zukünftig werden wir den Hamburger Yu Garden als Basis für den Aufbau eines Erlebniszentrums für chinesisches immaterielles Kulturerbe nutzen. Wir werden kontinuierlich einen lebendigen Lernort für östliche Kultur für Menschen aus Europa und China schaffen, der es ihnen ermöglicht, die chinesische Kultur durch die Auseinandersetzung mit immateriellem Kulturerbe zu bereichern und so eine Plattform und ein Fenster für gegenseitiges Lernen zwischen der chinesischen und der europäischen Zivilisation zu schaffen.
Wir hoffen außerdem, dass weitere deutsche, europäische und globale Projekte zum immateriellen Kulturerbe im Shanghai Yu Garden präsentiert werden, um gemeinsam eine greifbare, immersive und erfahrbare globale Präsentation des immateriellen Kulturerbes für Gäste aus aller Welt zu schaffen. Vierzig Jahre Freundschaft sind ein neuer Anfang. Ich freue mich auf die nächsten vierzig Jahre gemeinsamer Zusammenarbeit – auf noch viel schönere Jahre.
Ich möchte noch einen weiteren Punkt ansprechen: Im nächsten Jahr feiern China und Deutschland ihr 55-jähriges Jubiläum ihrer diplomatischen Beziehungen. Wir werden die Brückenfunktion der Kultur in unseren bilateralen Beziehungen voll ausschöpfen. Im Shanghaier Yu Yuan Garden realisieren wir derzeit ein großes Projekt. Wir möchten das Beste der Kultur internationaler Städte nach China bringen. Meiner Meinung nach sollte Deutschland dabei den Anfang machen – und innerhalb Deutschlands wiederum Hamburg. Wir wollen also das Beste aus Hamburg – die Kulinarik, die Getränke, einfach alles, was Hamburg ausmacht – nach Shanghai bringen. Ich freue mich darauf, Sie dort zu sehen“, lud Hu Menschen, Organisationen und Unternehmen nach Shanghai ein.
Chen Qiuyi, Präsident der Hamburger China-Gesellschaft und Chef des beliebten China-Restaurant im Yu Garden machte diese Verbundenheit in einer persönlich, emotional geprägten Begrüßungsrede deutlich. „Dieser Nachmittag ist für mich aus mehreren Gründen etwas ganz Besonderes. In dieses Jahr, wir haben dies gerade öfter gehört, feiern wir das vierzigjährige Jubiläum der Stadtpartnerschaft Hamburg-Shanghai.
Genau in diesem Raum haben wir Anfang Februar eine riesige Veranstaltung gehabt. Dort haben wir einen chinesischen Neujahrsempfang veranstaltet, über den auch in China CCTV berichtete und hundert Millionen Chinesen das auch gesehen haben. Und hier in Deutschland haben RTL und auch viele Zeitungen darüber berichtet. Das war sozusagen der Auftakt der Jubiläumsfestlichkeiten.
Vier Jahrzehnte sind eine sehr lange Zeit. Aber die Stadtpartnerschaft lebt nicht allein von Verträgen und offiziellen Besuchen. Sie lebt vor allem von den Menschen, die sich begegnen, mit anderen sprechen, gemeinsam essen, feiern und die Kultur des anderen kennenlernen. Und genau dafür steht für mich der Yu Garden. Der Yu Garden ist heute weit mehr als ein chinesisches Restaurant. Er ist ein Ort der Begegnung und des kulturellen Austauschs. Ein kleines Stück Shanghai mitten in Hamburg. Nach der umfangreichen Renovierung freue ich mich deshalb besonders, dass wir heute gemeinsam einen neuen Abschnitt beginnen und den Yu Garden künftig noch stärker als Brücke zwischen Hamburg und Shanghai sowie zwischen Deutschland und China nutzen können.
Dabei möchte ich die chinesische Kultur nicht nur teilen, sondern vor allem erlebbar machen. Denn Kultur versteht man am besten, wenn man ihr persönlich begegnet. Wenn man gemeinsam einen chinesischen Tee genießt. Das werden wir nachher erleben: im Teepavillon, einem Handwerker bei seiner Arbeit zusehen. Traditionelle Musik hören oder die Geschichte hinter jahrhundertealten Traditionen kennenlernen. Gerade das immaterielle Kulturerbe zeigt uns, dass Tradition nichts Vergangenes sein muss. Sie lebt weiter, wenn Menschen sie pflegen, weitergeben und miteinander teilen. Ich wünsche mir deshalb, dass wir hier im Yu Garden künftig regelmäßig Künstler, Handwerker und Kulturschaffende aus China präsentieren und gleichzeitig Menschen aus Hamburg und Deutschland dazu einladen, diese Kultur unmittelbar kennenzulernen.
Als Präsident der Hamburg China Gesellschaft liegt mir dieser persönliche Austausch besonders am Herzen. Gerade in einer Zeit, in der die Welt nicht einfach geworden ist, brauchen wir Orte, an denen Menschen miteinander und nicht nur übereinander sprechen. Kultur kann dabei etwas schaffen, was Politik und Wirtschaft allein manchmal nicht erreichen können: Nähe, Neugier und gegenseitiges Verständnis.
Mein besonderer Dank gilt der Yuyuan Inc. aus Shanghai, insbesondere Ihnen, lieber Herr Hu, und Ihre Kolleginnen und Kollegen, die diese Veranstaltung ermöglicht und viele besondere Kulturschätze nach Hamburg gebracht haben. Ebenso danke ich dem chinesischen Generalkonsulat in Hamburg sowie der Freien und Hansestadt Hamburg für die kontinuierliche Unterstützung des Yu Gartdens und des deutsch-chinesischen Austauschs.
Lieber Herr General Konsul Lin, Sie sind noch nicht ganz ein Jahr hier in Hamburg, und trotzdem habe ich das Gefühl, dass wir uns doch öfter getroffen haben als alle Ihre Vorgänger. Das zeigt, wie intensiv und herzlich unsere Zusammenarbeit geworden ist. Dafür möchte ich Ihnen ganz herzlich danken“, sagte Chen.
Die Besucher konnten nach der Eröffnung an interaktiven Workshops teilnehmen, in denen Teekunst-Vorführungen, Kräutersäckchen aus der alten Shanghaier Apotheke Tonghanchuntang, Birnensirup-Bonbons (eine traditionelle Shanghaier Süßigkeit aus Birnensaft und Kräutern), Fünf-Gewürze-Bohnen (ein lokaler Snack aus getrockneten, mit Gewürzen gewürzten Saubohnen) und Kalligrafie auf Lackfächern angeboten wurden.
Die Ausstellung präsentierte auch traditionelle Handwerkskunst in Verbindung mit modernen Produkten. Zu den Exponaten gehörten Uhren der jahrhundertealten Marke Shanghai Watch, Brillen der Optikmarke Red Star, Fächer von Jing Fans, einem chinesischen Hersteller, der für seine handbemalten Designs bekannt ist, sowie Elemente des Yuyuan-Laternenfestes, einem nationalen Projekt zum Schutz des immateriellen Kulturerbes.
Chinesische Kultur, chinesischer Lebensstil werden in Europa immer populärer, besonders auch bei jüngeren Menschen. Spannend ist es, zu sehen, was dazu künftig noch aus der 15-Millionen-Einwohner-Metropole Shanghai kommt, einer der lebendigsten Metropolen der Welt. Der Abend verdeutlichte jedoch auch: Der Austausch ist keine Einbahnstraße. Über diese Initiative können auch neue Wege für Hamburger kulturelle Initiativen, für Wissenschaftsaustausch, aber auch für Waren aus Hamburg über Shanghai nach Asien erschlossen werden.
Das Konzept eines Landports ist in Deutschland noch nicht sehr bekannt. In Asien funktioniert es bereits. In Sichuan beispielsweise stiegen die Importe vergangenes Jahr um 18,5 Prozent. Besonders Einfuhren aus den Asean-Staaten legten zu. Dahinter stehen integrierte Konzepte der Landports, in der Kulturinitiativen eine große Rolle spielen. Hamburg kann ähnliches gut mir seiner Partnerstadt Shanghai aufbauen. Das Hamburg Yu Garden Chinese Intangible Cultural Heritage Overseas Experience Center kann dafür zukünftig sicherlich wertvolle Beiträge leisten.
Im Gespräch mit silkrail fasste der Hu Junjie die Zukunftspläne des Overseas Experience Center noch einmal zusammen.
„Wir verfolgen einen dreistufigen Ansatz:
Erstens wollen wir das Beste aus dem immateriellen Kulturerbe Shanghais in die Region Hamburg bringen.
Zweitens möchten wir immaterielles Kulturerbe aus ganz China in die Region Hamburg bringen.
Drittens hoffen wir, dass Hamburg als Drehscheibe für den kulturellen Austausch dient, und wir möchten Hamburg zudem als Plattform nutzen, um das Beste aus Hamburg und Deutschland nach China zu bringen.
Das sind die drei Vorhaben, die wir umsetzen wollen,“ so Hu.
ASIA MEDIA SERVICE, Dr. Thomas Kiefer
Fotos: © Ulf Ludzuweit / Thomas Kiefer

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